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Mai 2003
Vergangene Woche, abends nach zehn Uhr läutete meine Hausglocke. Es meldet sich eine Stimme auf französisch:
„Ich bringe ihnen ihre Papiere zurück.“ Ich griff schnell in meine Handtasche – oh Schreck, mein Portemonnaie war nicht drin – und öffnete die Wohnungstüre. Ein Fremder kam die Treppe hinauf, in der Hand hatte er meinen Fahrausweis und aus einem Plastiksack zog er mein Portemonnaie, Inhalt: eine Hunderternote, die ID, Kreditkarte, Halbtax, U-Abo, usw. Am Nachmittag auf dem Heimweg war mir also, ohne dass ich es bis dahin bemerkt hatte, der Geldbeutel samt Inhalt aus der schlecht verschlossenen Tasche auf die Strasse gefallen. Der Finder wies sich als etwa 30-jähriger Asylbewerber aus. Er kommt aus Algerien, hat sein Land wegen politischer Verfolgung verlassen, ist seit zwei Jahren in der Schweiz, wo er hofft, bleiben zu können. - Bis der Finder bereit war, den Finderlohn anzunehmen, brauchte es meinerseits einige Ueberredungskunst. Ich danke ihm auch auf diesem Weg für seine Ehrlichkeit.
Dass ich mein Portemonnaie samt Inhalt wieder bekam, hat mir viel Aerger, Aufwand und Kosten erspart. Ich erzähle diese kleine Begebenheit auch gern weiter, weil sie mich sehr freut und weil sie zeigt, dass wir nie pauschal über Andere, Ausländer, Asylbewerber, ... urteilen sollen.
Agathe Schuler, Binningen
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