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Binninger Anzeiger, 22. November 2007 Welche Bedeutung hat die Ortsplanungsrevision für Binningen? Ein Gespräch mit der dossierverantwortlichen Gemeinderätin Agathe Schuler und dem für die Projektbegleitung zuständigen Raumplaner Roger Michelon (Planteam S).
 Binningen ist gebaut. Welcher Spielraum bleibt für eine Orts“planung“? R.M.: Die letzte Revision der Binninger Ortsplanung ist 40 Jahre her. Zum einen ist es Zeit, die Pläne den heutigen Bedingungen anzupassen. Zum andern bedeutet die Revision einer Ortsplanung nicht die Neugestaltung eines Ortes, sondern das Festlegen einer Strategie und entsprechender Pläne, die dann wichtig werden, wenn weitere Entwicklungsschritte eines Ortes anstehen. Kann sich Binningen denn noch entwickeln? R.M.: Veränderungen sind nur in etwa 10 bis 20 % des Gemeindegebiets möglich, und dort wurden die Pläne entsprechend angepasst, das heisst, die Zonen wurden einer erwünschten Entwicklung entsprechend definiert. Zum Beispiel? R.M.: Die Gewerbezone am Dorenbach, das heutige Stammareal, bleibt eine Gewerbezone. Die Zentrumszone entlang der Hauptstrasse und an der Kernmattstrasse, wo ältere Gebäude stehen, ist flexibel definiert. Es soll bei Veränderungen zum Beispiel nicht auf eine bestimmte Höhe der Gebäude geachtet werden, sondern auf die Qualität, die durch Neu- oder Umbauten für das Ortszentrum entstehen könnte. Die stark durchgrünten Einfamilienhaus-Quartiere auf dem Ost- und Westplateau sollen weiterhin grün bleiben. A.S.: Mit dem neuen Zonenreglement wurde auch eine Grünflächenziffer definiert. Damit wird das Zubauen ganzer Parzellen verhindert. Gleichzeitig soll bei der Quartiergestaltung, zum Beispiel mit Randbepflanzungen und Spielplätzen, mehr Wohnqualität erreicht werden. Bei neuen Mehrfamilienhäusern ist es Pflicht, eine Spiel- und Freizeitfläche auszuweisen. Naturschützerische Eckwerte konnten auch festgelegt werden. Die Grenze von Landschafts- und Bauzone bleibt unverändert und entlang Birsig und Dorenbach entsteht neu eine Uferschutzzone.
Wer soll sich aus Sicht des Gemeinderates am laufenden Mitwirkungsverfahren beteiligen? A.S.: Alle Interessierten. Die Bevölkerung von Binningen, Landbesitzer, Architekten, die Nachbargemeinden. Landeigentümer können den Plänen zum Beispiel entnehmen, wie sie auf ihrer Parzelle bauen dürfen und – ebenso wichtig - wie der Nachbar bauen darf. Aber auch die breite Bevölkerung kann sich zur Einteilung der Zonen und zu den damit verbundenen Absichtserklärungen äussern. Hat das „Mitwirken“ Konsequenzen? A.S.: Die Vorschläge werden geprüft und allenfalls aufgenommen. Der Mitwirkungsbericht wird vom Gemeinderat genehmigt. Nächstes Jahr geht das ganze Geschäft an den Einwohnerrat. Rechtskräftig wird die neue Orstplanung nach der Auflage des Zonenplans und nach der Behandlung allfälliger Einsprachen, voraussichtlich im 2009. An der Zukunftskonferenz im Frühjahr 2005 wurden zum Teil sehr konkrete Forderungen für die Zukunft von Binningen aufgestellt: ein Ortsbus, ein lebendiges Zentrum, weniger Verkehr… A.S.: Diese Ideen sind nicht gestorben, sie sind in die Zielvorgaben für die weitere Entwicklung eingegangen. Bevölkerung und Politik können sich bei Vorstössen auf die Entwicklungsziele, wie sie in der Strategie der räumlichen Entwicklung definiert wurden, berufen. Wichtig ist: Die Ortsplanung ist ein Steuerungsinstrument für die Gemeinde, kein Umsetzungsplan. Sie hält für künftige raumplanerische Veränderungen ideale und aktuelle Entscheidungsgrundlagen bereit. Herr Michelon, was ist Ihre Aufgabe als Raumplaners im Zusammenhang mit der Ortsplanungsrevision? R.M.: Ihre Frage könnte auch heissen, „warum gibt es Raumplaner?“ Weil eine Ortsplanungsrevision eine hochkomplexe Sache ist. Viele Gemeinden setzen professionelle Planer ein, um die gesetzeskonforme Durchführung der Revision sicherzustellen. Das heisst? R.M.: In juristischen und raumplanerischen Fragen haben wir den Gemeinderat, die vom Gemeinderat eingesetzte Fachgruppe und die Fachleute in der Bauverwaltung beraten. Jetzt leisten wir Unterstützung bei der Vermittlung der Ergebnisse an die Bevölkerung. Binningen profitiert, wie andere Gemeinden, von unserer Erfahrung. Wir moderieren den Prozess, wir sagen nicht, was richtig oder falsch ist, wir helfen abzuwägen. Ein enorm aufwändiger Prozess. Lohnt sich das? A.S.: Der Gemeinderat hat sich sehr intensiv und engagiert mit der Ortsplanungsrevision befasst. Die Bevölkerung wurde in den verschiedenen Phasen mit einbezogen, durch das Mitwirkungsverfahren ist sie auch jetzt noch am Prozess beteiligt. Ich bin sicher, dass sich dieser gemeinsame Einsatz auf lange Sicht für die Standortqualität von Binningen positiv auswirken wird. Interview: Nicole Schwarz
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